Barbarossa, Botticelli und die Beatles - Das Who is who der Welt- und Kulturgeschichte

Barbarossa, Botticelli und die Beatles - Das Who is who der Welt- und Kulturgeschichte

von: Helge Hesse

Eichborn AG, 2012

ISBN: 9783838723341

Sprache: Deutsch

400 Seiten, Download: 1531 KB

 
Format:  EPUB, auch als Online-Lesen

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Barbarossa, Botticelli und die Beatles - Das Who is who der Welt- und Kulturgeschichte



1. Die ersten Hochkulturen


Aha macht den Anfang


Aha lebt um 3000 v. Chr.

Er ist nicht der erste König in Ägypten. Doch über die Identität von Ahas Vorgängern, die wegen ihrer Symbole als König »Skorpion«, »Krokodil«, »Elefant«, »Falke« oder »Doppelfalke« bezeichnet werden, streiten die Ägyptologen. Auch was Aha betrifft, sind die Fachleute in manchem uneins. So diskutieren sie darüber, ob man in ihm auch den mythischen König Menes, Gründer der Stadt Memphis, sehen kann oder ob Menes eher identisch ist mit Ahas mutmaßlichem Vater, dem letzten altägyptischen König Narmer.

Sicher ist, unter Aha gelingt erstmals eine dauerhafte Vereinigung von Oberägypten, dem südlichen Nilgebiet bis zum Sudan, und Unterägypten, dem Gebiet des Nildeltas. Aus diesem Grund geht Aha als erster König der ersten Dynastie des Ägyptischen Reichs in die Geschichte ein.

Aha herrscht über eine der ersten Hochkulturen der Menschheit. Dass sie in Ägypten entsteht, ist vor allem dem Wasser des Nils und dem fruchtbaren schwarzen Schlamm zu verdanken, den der Fluss bei der jährlich wiederkehrenden Schwemme über die Ufer spült. Am grünen Streifen des Nilufers gedeihen zur Zeit Ahas Dattelpalmen, Maulbeerbäume und Akazien, jagen Löwen, grasen Antilopen und finden Giraffen Nahrung im dichten Blattwerk der Bäume.

Die Menschen sind schon Jahrtausende vor Aha am Nil sesshaft geworden. Sie beobachten den Lauf der Sonne, erstellen Kalender, können die Wiederkehr der Nilschwemme errechnen, teilen das Jahr bereits in Monate zu 30 Tagen ein und fügen Schalttage hinzu. Um das Wasser zu verteilen, bauen sie Kanäle, und um es zu speichern, legen sie Seen an. Das überall am Nil wachsende Papyrusgras beginnen die Ägypter seinerzeit zu papierähnlichen Bögen zu verarbeiten und zum Beschreiben zu nutzen.

Für sein Volk ist Aha eine Institution, kein Mensch, sondern Mittler zur Götter- und Totenwelt. Kein gewöhnlicher Sterblicher darf ihn anschauen oder ansprechen. Er ist Per-o, »der Himmel« oder »das große Haus«. Diese Bezeichnung wird eineinhalbtausend Jahre nach Aha unter König Thutmosis III. Verbreitung finden und später in seiner hebräischen Abwandlung als »Pharao« in der Bibel zum allgemeinen Begriff der Herrscher des Alten Ägypten. Aha ist der Erste in der Liste der Pharaonen, deren Reich 3000 Jahre überdauern wird. Und nicht nur das: Sein Name ist auf Tonscherben und Elfenbeintäfelchen erhalten.

Imhotep baut die erste Pyramide


Imhotep lebt um 2700 v. Chr.

Drei Jahrhunderte fließen nach König Ahas Regierungsantritt den Nil hinunter. Kanalbau, Schiffsbau, Töpferhandwerk und Hieroglyphenschrift entwickeln sich und immer aufwendiger gestalten die Ägypter die Bestattung ihrer Könige.

König Djoser regiert als der zweite Herrscher der 3. Dynastie, mit der das sogenannte Alte Reich beginnt. Einer von Djosers wichtigsten Ratgebern ist Imhotep (sinngemäß: »Der in Frieden kommt«).

Manche Bildnisse von Imhotep haben Vermutungen genährt, er sei Schwarzafrikaner gewesen. Seine Talente und Tätigkeiten sind vielfältig. Während einer Hungersnot rät er als Priester zu einer Opfergabe an den Gott der Nilfluten. Als hoher Beamter verhindert er durch die Errichtung von Bewässerungsanlagen weitere Dürren. Als Arzt begründet er die ägyptische Medizin. Auch als Verfasser von Gesetzen wird er tätig. Doch als Baumeister vollbringt er sein Meisterstück.

In der Totenstadt Sakkara, wo schon unter Aha Bestattungen stattgefunden haben, baut Imhotep für König Djoser aus Kalkstein die erste Pyramide, eine Stufenpyramide. Dies gelingt vor allem, weil Imhotep neue Steinbearbeitungstechniken einsetzen lässt. Mit gehärteten Kupferwerkzeugen brechen die Arbeiter den Stein geschickt entlang seiner Bruchstellen.

Bis zu Imhotep war es üblich, Königsgräber als große quaderförmige Bauten anzulegen, Mastabas genannt. Auch für Djoser hat Imhotep ursprünglich nur eine Mastaba geplant. Doch da ihm wegen der Langlebigkeit seines fast 20 Jahre regierenden Königs viel Zeit zur Verfügung steht, erweitert er den Bau und stapelt in Stufen über den ersten bald fertig gewordenen Grabquader weitere kleiner werdende Mastabas, sodass schließlich die erste Stufenpyramide über 62 Meter hoch in den ägyptischen Himmel ragt.

Nach Imhoteps Tod verschwindet sein Name zunächst aus den Annalen. Erst Jahrhunderte später, im Neuen Reich, erinnert man sich in Ägypten wieder des großen Mannes und beginnt ihn als Gott zu verehren. Bevor nun ein Schreiber seine Arbeit aufnimmt, opfert er einen Tropfen Tinte für Imhotep, den ersten Erbauer einer Pyramide und den ersten großen Universalgelehrten, den die Geschichte kennt.

Cheops errichtet das einzig erhaltene der sieben Weltwunder


Cheops regiert von ca. 2620 bis ca. 2580 v. Chr.

Als besonders eifrige Pyramidenbauer erweisen sich die Könige der 4. Dynastie. König Snofru lässt ab etwa 2670 v. Chr. in einer 30-jährigen Regierungszeit gleich drei davon errichten: eine Stufenpyramide, eine Knickpyramide und die erste auch in ihrer Form echte Pyramide: die über 100 Meter hohe sogenannte Rote Pyramide in Dahschur. In welcher der König sich bestatten lässt, weiß man nicht. Die Bauten sind vermutlich Teil seines Versteckspiels mit Grabräubern. Eine Pyramide ist nicht nur ein überwältigendes Symbol von Macht, sondern auch eine Grabfestung, in der der Herrscher ungestört seinen Weg in die Ewigkeit nehmen soll. Außer Nahrung und Kleidung werden ihm Schmuck und kostbare Handwerksarbeiten mitgegeben. Oft müssen auch Diener und Beamte den König begleiten. Durch Mumifizierung versucht man den königlichen Körper zu erhalten, denn die Seele soll ihn nach dem Tod im Totenreich wiederfinden.

Snofrus Nachfolger Chufu nutzt die vier Jahrzehnte seiner Herrschaft und lässt eines der größten Bauwerke der Menschheit errichten: die Cheops-Pyramide. Wir nennen sie so, weil wir Chufu mit seinem griechischen Namen Cheops kennen. Sein Grabmonument, ursprünglich etwa 146 Meter hoch, zusammengesetzt aus über 2,5 Millionen Steinblöcken und in seinen baulichen Ausmaßen das nach wie vor größte Gebäude der Welt, gehört zu den drei Pyramiden von Gizeh. Ursprünglich ist die Cheops-Pyramide mit poliertem Kalkstein verkleidet und glatt.

Die Pyramidengruppe von Gizeh, zu denen neben der Cheops-Pyramide die Grabmonumente der Könige Chephren und Mykerinos aus der gleichen Dynastie gehören, ist das einzige der vormals sieben antiken Weltwunder, das erhalten geblieben ist. Die anderen, der Koloss von Rhodos, die Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon, das Grab von Mausolos II. in Halikarnassos (Namensgeber aller Mausoleen), die Zeus-Statue in Olympia und der Artemistempel in Ephesos, existieren nicht mehr.

Huangdi »erschafft« die chinesische Kultur


Huangdi lebt vermutlich um 2600 v. Chr.

Während am Nil die ersten Pyramiden errichtet werden, entfalten sich in anderen Teilen der Welt ebenfalls erste Hochkulturen. Auch dort spielen Flüsse eine entscheidende Rolle. In Mesopotamien sind es der Euphrat und der Tigris, in Indien gibt der Indus der dortigen Kultur seinen Namen. Um 2600 v. Chr, als Cheops in Ägypten gerade seine gewaltige Pyramide erbauen lässt, ist in Mesopotamien die Entwicklung der Keilschrift zu ihrer Vollendung gelangt. Am Indus erreicht die Harappa-Kultur mit ihrer in Straßenblöcken gegliederten Stadt Mohenjo-Daro, in der etwa 40 000 Menschen leben, ihren Höhepunkt.

In China beginnt vieles am Gelben Fluss, wo zu jener Zeit womöglich Kaiser Huangdi regiert, auch der »Gelbkaiser« genannt. Bei ihm erlauben sich Wissenschaftler zum ersten Mal die Frage, ob es ihn tatsächlich gegeben hat. Gegen Huangdis Existenz spricht, dass er erst in der Zhou-Zeit, 2000 Jahre nach seinem Tod, als historische Gestalt erwähnt wird. Zuvor ist er nur Legende. Huangdi wird für die Chinesen zum Identitätsstifter, zum Schöpfer ihrer Kultur. Noch im 20. Jahrhundert behauptet Chiang Kai-shek, alle Völker Chinas seien Nachfahren Huangdis.

Huangdi ist eine Art Übermensch. Die Legende berichtet, er habe schon als Säugling gesprochen, mit 15 Jahren wird er der Anführer seines Stammes, und schließlich gelingt es ihm, durch seine Erfolge in zahlreichen Kriegen zum Kaiser aufzusteigen. Die Lobpreisungen auf Huangdi lassen kaum etwas aus. Er soll die Schriftzeichen und den Kompass erfunden haben, die Landwirtschaft, den Wagen, das Schiff, die Musik und die Heilkunde. Seiner Frau Leizu wird zudem die Erfindung der Seidenherstellung zugeschrieben, und als Huangdi den Pavillon erfindet, kontert Leizu, so heißt es, mit der Erfindung des »wandelnden Pavillons«, dem Regenschirm.

In einem Grabbau in der Provinz Shaanxi, umgeben von Bäumen, soll Huangdi ruhen. Auf seine Herrschaft folgt um 2200 v. Chr. im Osten Chinas (neue Vermutungen gehen von der Zeit um 2000 aus) die erste dokumentierte Dynastie Chinas, die Xia-Dynastie.

Gilgamesch und die ersten großen Städte der Menschheit


Gilgamesch lebt vermutlich um 2600 v. Chr.

Wenn sie tatsächlich gelebt haben, dann waren Huangdi in China und Gilgamesch, König der sumerischen Stadt Uruk in Mesopotamien, Zeitgenossen.

Die Frühzeit im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, das heute im Wesentlichen zum Irak und Syrien gehört, ist geprägt von dem geheimnisvollen Volk der Sumerer. Weder ihre Herkunft noch die Zugehörigkeit ihrer Sprache...

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